Gute Nachricht für hartverchromte Bauteile in der Druck- und Papiertechnik

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Die EU-Kommission hat noch kurz vor dem Jahreswechsel nach mehrjähriger Verzögerung eine befristete Zulassung für die Weiterverwendung von Chromtrioxid für die Verchromung erteilt.

Damit ergibt sich für den Maschinenbau erst mal bis Sommer 2024 Liefersicherheit bei hartverchromten Funktionsbauteilen. Doch wie geht es danach weiter?

Hartverchromte Funktionsbauteile sind insbesondere in Maschinen der Druck- und Papiertechnik von essenzieller Bedeutung. Keine andere Beschichtungstechnologie, wie die galvanische Verchromung, bietet bis heute eine vergleichbare Kombination von wichtigen Eigenschaften wie Oberflächengenauigkeit, Glätte, Härte, Benetzbarkeit sowie Abrieb-, Chemikalien- und Korrosionsbeständigkeit. Beispiele für verchromte Funktionsbauteile in der Druck- und Papiertechnik sind z.B. der Gegendruckzylinder im Druckwerk, Feuchtwerkwalzen, Tiefdruckformen, Leitelemente und Trockenzylinder in Papiermaschinen.
Bei der Hartverchromung wird Chromtrioxid in wässriger Lösung (Chromsäure) eingesetzt. Da der Stoff sehr gefährlich ist, ist die Verwendung an hohe Auflagen hinsichtlich des Gesundheits- und Umweltschutzes gebunden. Von der Chromschicht auf den fertigen Bauteilen gehen allerdings keine Gefahren aus, so dass sich die Auflagen nur auf den Verchromungsprozess beziehen.


Im September 2017 endete die Verwendung von Chromtrioxid, nachdem der Stoff 2013 auf die Liste der zulassungspflichtigen Stoffe bei der europäischen Chemikalienagentur ECHA gesetzt wurde. Obwohl eine ganze Reihe von Zulassungsanträgen für die weitere Verwendung fristgerecht bei der ECHA eingereicht wurden, kam es bei den Entscheidungen zu den Zulassungen durch die ECHA und die Europäische Kommission zu langen Verzögerungen.


Von besonderer Bedeutung war der Antrag des sogenannten CTAC-Konsortiums, der von der Formulierung bis zur Anwendung eine ganze Reihe von Verwendungen von Chromtrioxid abdeckt. Somit musste nicht jeder der zumeist klein- und mittelständischen Galvanikunternehmen einen eigenen Zulassungsantrag stellen, der mit erheblichem bürokratischem und finanziellem Aufwand verbunden ist.


Mit über fünf Jahren Verzögerung hat die EU-Kommission jetzt dem CTAC-Zulassungsantrag (außer für dekorative Hartverchromung) zugestimmt und einen Überwachungszeitraum von 7 Jahren festgelegt. Von besonderer Bedeutung für den Maschinenbau ist dabei der Anwendungsfall 2 zur Funktionellen Verchromung. Da der Überwachungszeitraum ab dem 21. September 2017 gilt, gilt die Zulassung nun nur bis 21 September 2024.
Die meisten Unternehmen des Maschinenbaus sind nur indirekt bezüglich Liefersicherheit verchromter Bauteile betroffen. Unternehmen mit eigenen Galvaniken müssen jetzt die in der Zulassung festgelegten Auflagen erfüllen. Bis Mitte März 2021 müssen Verwendungen gemeldet und Expositionsszenarien an die ECHA übermittelt werden. In der zweiten Jahreshälfte 2021 sind Messwerte zu erheben und zu melden.


Doch wie geht es nach September 2024 weiter? Ein Teil der Mitglieder des CTAC-Konsortiums hat sich zu einer Fortführung der Zulassung entschieden und will mittels eines Review Reports eine weitere Verlängerung nach 2024 erreichen, die dann aber nur noch für die teilnehmenden Unternehmen gilt. Interessierte Firmen können hierzu noch bis Ende März 2021 der antragstellenden Kanzlei Jones Day ihre Bereitschaft mitteilen. Der Erfolg einer weiteren Verlängerung hängt auch sehr von der Qualität der bereitgestellten Messdaten der Galvanikunternehmen ab.


Maschinenbauunternehmen, die verchromte Bauteile zukaufen, müssen mit ihren Lieferanten klären, ob diese den Verpflichtungen im Rahmen der Zulassung nachkommen und wie die Liefersicherheit über das Jahr 2024 hinaus sichergestellt werden kann.


Ein Ziel des Verwendungsverbotes ohne Zulassung ist, dass die Industrie weiterhin nach Alternativen forscht, die weniger gesundheits- und umweltgefährdend sind. Dies ist aus heutiger Sicht noch eine große Herausforderung, da trotz intensiver Forschung gleichwertige Alternativen bisher nicht existieren.


Falls es zukünftig keine Zulassungen für die Verchromung mit Chromtrioxid in der EU gibt, sind bei Verlagerung der Verchromung in Nicht-EU-Länder sicherlich neue Herausforderungen bezüglich Qualität, Lieferzeiten und ggf. niedrigeren Umwelt- und Gesundheitsstandards in bestimmten Ländern zu erwarten.


Weitere Informationen:


Detaillierte Informationen zum Stand für VDMA-Mitglieder.

Weitere Information der antragstellenden Kanzlei des CTAC Konsortiums.
 

Eintrag in der Zulassungsliste:
COMMISSION IMPLEMENTING DECISION of 18.12.2020 partially granting an authorisation for certain uses of chromium trioxide under Regulation (EC) No 1907/2006 of the European Parliament and of the Council (Chemservice GmbH and others)
https://ec.europa.eu/docsroom/documents/44374
https://ec.europa.eu/docsroom/documents/44375