Wir wollen uns als die führende Service-Company im Markt hervortun

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Wer Bosch Packaging sucht, findet seit Januar 2020 Syntegon. Nach fünf Jahrzehnten Konzernzugehörigkeit steht der Packaging- und Prozessspezialist auf eigenen Beinen.

Im Interview spricht Clemens Berger, Geschäftsführer der Business Unit Food, über neue Marke und ihr Engagement für nachhaltige Verpackungen und Prozesse, sowie über die strategische und technologische Ausrichtung des Unternehmens, das 2019 mit 6.100 Mitarbeitern rund 1,3 Milliarden Euro umsetzte.

Herr Berger, der Eigentümerwechsel von Bosch zu CVC Capital Partners ist vollzogen. Was bedeutet das für Sie und für Ihre Bestandskunden?

Clemens Berger: Wir sehen darin die große Chance, eigenständiger und agiler zu werden. Unsere Branche ist mittelstandsgeprägt, und auch wir haben dank der nun eigenständigen, schlankeren Strukturen kürzere Entscheidungswege als zuvor. Das passt zu den Rahmenbedingungen der Branche.

Mit der Umfirmierung tauschen Sie die etablierte Marke Bosch Packaging gegen die neue Marke Syntegon. Was wird der Markenkern sein?

Berger: Der Name Bosch hat im Maschinenbau natürlich Gewicht. Doch wir sind zuversichtlich, dass wir mit Syntegon ein ganz eigenes Profil als führender Prozess- und Verpackungsmaschinenhersteller entwickeln können. Dazu zählt aus unserer Sicht mehr Serviceorientierung als bisher. Syntegon bietet Prozess- und Verpackungstechnik für ein besseres Leben. Das ist unser Markenkern. Also der Anspruch, intelligente und nachhaltige Prozess- und Verpackungslösungen zu entwickeln, die Konsumenten und Patienten zu Gute kommen. Das Kunstwort Syntegon spiegelt das: Synergien heben. Technologien vorantreiben. Und klare Orientierung an Zukunft und Nachhaltigkeit.

Ihre Branchenschwerpunkte sind die Pharma- und Lebensmittelindustrie. Welches Spektrum deckt Ihre Prozess- und Verpackungstechnik ab?

Berger: Wir liefern Einzelmaschinen und verstehen uns als Systemanbieter, der integrierte Komplettlösungen und Dienstleistungen für seine Kunden entwickelt. Das Spektrum reicht im Pharmabereich von Prozessen bis zur Herstellung – Wiegen, Abfüllen, Fördern, Pressen und Beschichten, Inspektion, Laborautomation – bis zur Verpackung fester und flüssiger Pharmazeutika. Ob Kapseln, Ampullen oder Spritzen. Rückverfolgbarkeit per Track & Trace gehört auch dazu. In der Nahrungsmittelbranche ist unser Portfolio ähnlich breit: Von Prozesstechnik für die Süßwarenherstellung bis zu kompletten Verpackungslinien für Riegel, Cerealien, Molkerei- und Tiefkühlprodukte oder Kaffee. Oft sind aseptische Abfüllprozesse gefragt. Zudem steuern wir unser know how bei, um die Lebensmittelherstellung und Verpackung energieeffizienter zu gestalten. Energie- und Ressourceneffizienz sind gefragter denn je. Syntegon hat das entsprechende Wissen.

Welche Rolle spielt Drucktechnik in Ihren Verpackungslösungen?

Berger: Im Pharmabereich sind unsere Track & Trace-Lösungen in der Drucktechnik integriert. Faltschachteln werden dabei unter engmaschiger Qualitätskontrolle mit so genannten Data-Matrix-Codes versehen. Hier sind Inkjet- und Laserdrucker im Einsatz. Ansonsten läuft es im Pharma- und Lebensmittelbereich eher so, dass unsere Maschinen vorbedruckte Verpackungen verarbeiten. Teils kommt es bei sehr individuellen Pharmaprodukten oder bei Kampagnen anlässlich von Events auch im Lebensmittelbereich zur Individualisierung von Verpackungen in kleinem Stil. Aber sobald es in die Masse geht, übernehmen Druckprofis.

Der Trend zur Circular Economy ist im Packaging unübersehbar. Welche Rolle spielen Papier und Pappe?

Berger: Das ist im Food-Bereich ein Top-Thema. Einerseits geht es um bessere Recyclingfähigkeit durch Monomaterialien anstelle von Mehrschichtfolien. Dafür gilt es, Verpackungsprozesse so anzupassen, dass die bisherigen Anlagen die neuen Materialien verarbeiten können. Das ist nicht trivial, weil beim Versiegeln und Verschweißen der Monofolien andere, oft engere Temperaturfenster gelten. Andererseits sind unsere Kunden dabei, Kunststoffe überall dort, wo es möglich ist, durch papierbasierte Materialien zu ersetzen. Aufgrund der vielen Anfragen erwarten wir hier Anpassungen in größerem Stil. Auch das setzt umfangreiches Prozess-know how voraus. Kunststofffolien und papierbasierte Materialien haben sehr unterschiedliche Eigenschaften.

Spielen dabei auch Artificial Intelligence, Connected Customers oder 4.0-Anätze eine Rolle?

Berger: Definitiv. An mich berichtet neben dem Nachhaltigkeitsbeauftragten auch ein Industrie-4.0-Verantwortlicher. Denn das ist für uns ein Kernthema; Artificial Intelligence fließt gerade ebenfalls verstärkt in unsere Produktentwicklungen ein. In ein bis zwei Jahren werden wir im Markt erste Lösungen sehen.

Was sehen Sie, wenn Sie sich Syntegon im Jahr 2030 vorstellen?

Berger: Wir sind der führende Anbieter von Prozess- und Verpackungstechnik. Syntegon setzt konsequent auf intelligente und nachhaltige Technologien, weil sich die Anforderungen unserer Kunden nur damit optimal erfüllen lassen. Zudem wollen wir eine Service-Company werden – im Sinne von Top-Qualität und maximaler Verfügbarkeit unserer Maschinen. Damit wollen wir uns im Markt hervortun und bis 2030 weitere Marktanteile gewinnen. Dabei wird das Thema Nachhaltigkeit entscheidend sein.