Friedrich-Koenig-Medaille geht an dessen Ur-Ur-Ur-Enkel Claus Bolza-Schünemann

Leonhard Kurz

Vorstandsvorsitzender der Koenig & Bauer AG für seine besonderen Verdienste im Druckmaschinenbau geehrt

Im Jahr 1817 gründete Friedrich Koenig, der Erfinder der dampfgetriebenen Zylinderschnellpresse und Wegbereiter des modernen Zeitungsdrucks mit Andreas Bauer die Schnellpressenfabrik Koenig & Bauer. Zweihundert Jahre später leitet Koenigs Ur-Ur-Ur-Enkel Claus Bolza-Schünemann das Unternehmen in sechster Generation. Im Rahmen der Mitgliederversammlung des VDMA-Fachverbandes Druck- und Papiertechnik am 19. April in Fürth kam es zu einem außergewöhnlichen Zusammentreffen von Ahnen und Enkel: Claus Bolza-Schünemann wurde mit der Friedrich-Koenig-Medaille geehrt. Vor ihm erhielten erst zwölf Preisträger die 1953  gestiftete Medaille für besondere Verdienste im Druckmaschinenbau.

„Ich empfinde die Auszeichnung als große Ehre“, erklärte Bolza-Schünemann, unmittelbar nachdem ihm der Präsident des VDMA-Fachverbandes, Kai Büntemeyer, die Medaille mit dem Konterfei seines Ur-Ur-Ur-Großvaters überreicht hatte. „Diese Ehrung rundet unser 200-jähriges Firmenjubiläum perfekt ab“, sagte er. Nach seinem Großvater Hans Bolza im Jahr 1953 und seinem Vater Hans-Bernhard Bolza-Schünemann ist er bereits das dritte Familienmitglied, das die Friedrich-Koenig-Medaille erhält.

Besonders Verdienste im Druckmaschinenbau

In seiner Laudatio auf Claus Bolza-Schünemann zählte Büntemeyer dessen Verdienste um den Druckmaschinenbau auf. Darunter dessen Vorsitz der Forschungsgesellschaft Druckmaschinen e.V. seit 2004, sein Vorstandsamt im VDMA Fachverband Druck- und Papiertechnik seit 2012 – und seine „herausragende Rolle als Präsident der Leitmesse drupa“. Durch Übernahme dieser Ämter habe Bolza-Schünemann zusätzlich zu seiner Aufgabe als Vorstandsvorsitzender von Koenig & Bauer Verantwortung für den gesamten Druckmaschinenbau übernommen. Daneben habe er als Ingenieur eine beeindruckende Vielfalt an drucktechnischen Innovationen begleitet, die in der Koenig & Bauer Gruppe entstanden sind: Darunter allein seit 2010 die Glassiebdruckmaschine K15M, die Metalllackiermaschine MetalCoat 480 mit minimierter Wechselzeit, die Stahlstich-Banknotenmaschine „Super Orlof Intaglio III“ sowie die flexible Digitaldruckplattform „KBA RotaJET VL“ für den industriellen Inkjet-Rotationsdruck mit bis zu 2.250 Millimetern Bahnbreite. Aktuell begleite Bolza-Schünemann die Entwicklung der neuen Bogendigitaldruckanlage „VariJET 106“ für eine hochqualitative und wirtschaftliche Personalisierung und Individualisierung im Verpackungsdruck sowie die CorruJET für die flexible Bedruckung von Wellpappen. Diese besticht einerseits durch ihre Druckleistung von bis zu 6.000 Bogen pro Stunde im Format 1.700 x 1.300 mm, andererseits durch ihre Auflösung von 1.200 dpi.

Mittler zwischen analogen und digitalen Druckwelten

Claus Bolza-Schünemann, der 1956 in Würzburg geboren wurde und heute Vater von vier Kindern ist, hat nach seiner ursprünglichen Ausbildung zum Radio- und Fernsehtechniker ein Studium Elektrotechnik mit Schwerpunkt Digitaltechnik absolviert. Schon seine erste berufliche Station als Projektingenieur der Schweizer Firma Brown Boveri & Cie. (später Asea Brown Boveri) führte ihn dann in den Druckmaschinenbau. Und gleich übernahm er die Entwicklung von Hard- und Softwarekonzepten für Druckereimaschinen. Seit 1989 bringt er sein Knowhow in das Unternehmen in Würzburg ein, wobei er sich anfangs als Bereichsleiter der Elektroplanung und Konstruktion für Rollen-, Bogen- und Wertpapiermaschinen widmete. Schnell stieg er in den Vorstand von Koenig & Bauer auf, wo er anfangs Konstruktion, Entwicklung und Projektmanagement verantwortete.

Bis heute zeichnet Bolza-Schünemann seine große Offenheit für digitale Technologien im Druckmaschinenbau aus. Im Zentrum stehen für ihn vernetzte digitale Print 4.0-Workflows – in digitalen wie in analogen Druckverfahren. Unter seiner Führung zeichnet sich Koenig & Bauer durch die konsequente Zusammenführung der analogen und digitalen Druckwelt aus. Inkjet- und Rollenoffsetdruck wachsen in den Anlagen des Unternehmens zusammen – und lassen das Technikerherz des Vorstandsvorsitzenden höher schlagen: „Inkjet ist ein phantastisches Verfahren. Unsere RotaJET verfeuert 5,4 Mrd. Farbtropfen pro Sekunde, wobei die Größe jedes einzelnen Tropfen exakt moduliert wird“, sagt er.

„Mit dieser Begeisterung für moderne Drucktechnik hat Claus Bolza-Schünemann Koenig & Bauer in die Erfolgsspur zurückgeführt, erfüllt sein Amt als drupa-Präsident und setzt er sich für die Zusammenarbeit in unserem Verband und für den Markterfolg des deutschen Druckmaschinenbaus ein“, sagt Dr. Markus Heering, Geschäftsführer des Fachverbandes Druck- und Papiertechnik im VDMA. Für diese Verdienste habe er die Friedrich-Koenig-Medaille mehr als verdient.