„Industriellen Druck gehen wir als potentielles Wachstumsfeld an“

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Im aktuellen Interview spricht Frank Schäfer, Sales Director der Hamburger KROENERT GmbH & Co KG, über die Bedeutung des Industriellen Drucks für das Unternehmen, Entwicklungschancen in dem jungen Markt und die Herausforderungen in der Bearbeitung ungewohnter Substrate und Druckmaterialien.

Das Unternehmen ist auch Mitglied in der VDMA Arbeitsgemeinschaft OE-A (Organic and Printed Electronics Association), die im engen Kontakt mit dem Fachverband Druck- und Papiertechnik steht.
 

Herr Schäfer, was verstehen Sie unter „Industriellem Druck“?

Frank Schäfer: Druck ist hier eine Stufe in einem größeren Fertigungsprozess. Bedruckt werden meist unbehandelte oder speziell vorbehandelte flächige Materialien - seien es Papiere, Polymerfilme oder Metallfolien. Das bedruckte Substrat wird dann weiterverarbeitet. Es geht um Dekoration, das Aufbringen von Produktinformationen oder um das Drucken von Funktionen. So werden im Bereich gedruckte Elektronik funktionale Schichten gedruckt, um Schaltkreise, Sensoren, Datenspeicher oder elektrochrome und elektrolumineszente Effekte zu realisieren. Analog dazu werden in der Bio- und Medizintechnik auch Wirkstoffe gedruckt. Industrieller Druck produziert nicht in erster Linie Druckerzeugnisse, sondern er druckt, um Produkten bestimmte Funktionen zu geben.

In welchen Bereichen des Industriellen Drucks ist KROENERT aktiv?

Schäfer: Von Hause aus bauen und entwickeln wir Beschichtungsanlagen. Für diese liefern wir als Standardkomponenten seit langem Flexodruckwerke für den Rückseiten-Logodruck, etwa für Silikonpapiere oder Haftklebeprodukte. Industriellen Druck treiben wir daneben als potentielles Wachstumsfeld voran. Hier widmen wir uns vor allem der gedruckten Elektronik. Das kann in der Medizintechnik die Körperdatenerfassung mit aufgedruckten Sensoren sein. In Handel und Logistik geht es um das Drucken smarter, fälschungssicherer Verpackungen mit Sensoren, die Informationen über Liefer- und Kühlketten sammeln. Oder smarte Labels für die Nahfeldkommunikation (NFC), die Hersteller hochwertiger Spirituosen heute schon einsetzen. Hält man sein Smartphone daran, bekommt man berührungslos und automatisch Informationen zum Produkt. Auf unseren Anlagen fertigen führende Hersteller solche smarten elektronischen Labels, Chips und Sensoren. Auch im Bereich organische Photovoltaik und zur Beschichtung von Batterie-Elektroden oder Brennstoffzellen-Stacks sind Anlagen von KROENERT im Einsatz.

Wie unterscheiden sich die Kundenanforderungen vom klassischen Druckmarkt?

Schäfer: In der gedruckten Elektronik haben wir es mit völlig anderen Anforderungen zu tun. Die Fertigung spielt sich in der Regel in Reinräumen ab, die unsere Anlagen natürlich nicht durch Abrieb oder Ähnliches verschmutzen dürfen. Auch sind die Präzisionsanforderungen schwerer zu erfüllen, als im herkömmlichen Druck. Zumal in Prozessketten für verschiedene Schichten unterschiedliche Druckverfahren im Einsatz sein können. Und Funktionsschichten sind meist auch dicker als einfache Druckfarben.

Auf welche Druckverfahren setzt ihr Unternehmen in industriellen Anwendungen?

Schäfer: Das kann Siebdruck, Flexo- oder Tiefdruck sein. Oder wenn es Kunden wünschen auch Digitaldruck. In dieser Vielfalt der Verfahren und Prozessabläufe liegt die eigentliche Herausforderung. Es gilt, die jeweiligen Druck- und Beschichtungsmodule samt den jeweils benötigten Konvektions-, UV- oder Infrarot-Trocknungsmodulen in die Kette zu integrieren – und im Rolle-zu-Rolle-Prozess von Anfang bis Ende die gebotene Präzision einzuhalten.

Sie haben es wahrscheinlich auch mit anderen Substraten, Tinten und Farben zu tun?

Schäfer: Genau. Gedruckt wird meist auf Polymerfilmen, auf die beispielsweise leitende Tinten auf Silber- oder Kohlenstoffbasis, isolierende Schichten sowie Kleber zur Kaschierung aufgebracht werden. Obwohl als Substrate in der Regel temperaturstabile Folien eingesetzt werden, ist der Wechsel zwischen kalten Druck- und heißen Trocknerphasen problematisch. Die Folien stehen unter thermischem Stress und schrumpfen im Prozess sowohl längs als auch in der Breite. Die Kunst besteht darin, dennoch die nötige Präzision zu gewährleisten. Damit das beim Kunden zuverlässig gelingt, fahren wir jeweils aufwändige Versuchsreihen in unserem Technology Center, in die wir unsere Materiallieferanten und Kunden einbeziehen.

In welchem Maß trägt der Industrielle Druck zu ihren Gesamtumsätzen bei?

Schäfer: Noch spielt sich das leider im einstelligen Prozentbereich ab. Aber wir sind früh gestartet und in das Gros der heute laufenden Projekte involviert. Häufig als Anlagenbauer – oder zumindest informell. Unsere Anlagen stehen heute bei Start-ups und Weltkonzernen. Sie sind reif für industrielle Einsätze. Wir stehen bereit, wenn die Märkte anspringen. Wenn auch in Europa der Markt für Elektromobilität anzieht, haben wir zum Beipsiel Technologien, um Batteriefabriken auszurüsten.

Marktstudien attestieren dem Industriellen Druck große globale Wachstumschancen. Bestätigen Ihre Erfahrungen die hohen Erwartungen?

Schäfer: Nach den Marktprognosen hatten wir uns schnellere Zuwächse versprochen. Doch es gibt mittlerweile einen Markt für gedruckte Chips und smarte Label. Die Automobilindustrie nutzt gedruckte Schaltungen. Und auch die Nachfrage nach OLED-Bildschirmen und OLED-Flächenbeleuchtungen wächst stetig. Das sind Märkte, die sich entwickeln können. Daneben werden in den nächsten Jahren große Steigerungen in der Organischen Photovoltaik (OPV) erwartet. Gegenüber üblichen Maßstäben im Beschichtungs- und Druckanlagenbau sind die zu bedruckenden Flächen allerdings eher gering. Heutige Anlagen laufen mit 15 Metern pro Minute bei Arbeitsbreiten von 500 mm. Für Druckmaschinen ist das nicht viel. Doch bei dem Druck von Chips, Sensoren oder Labels kommen pro Minute viele tausend Stück zusammen. Bisher kommt die Nachfrage vor allem aus Hochpreissegmenten mit niedrigen Stückzahlen. Und so bleibt es vorerst bei der Henne-Ei-Problematik: Wenn die Nachfrage anzieht, werden die Stückpreise in der gedruckten Elektronik durch Skaleneffekte sinken. Doch noch stehen die Stückpreise einer massenhaften Anwendung im Weg. Das hält uns aber nicht davon ab, den industriellen Druck weiterhin als Zukunftsmarkt mit Potential zu betrachten und unsere Technologien hier kontinuierlich weiterzuentwickeln.

 

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