Druck-Fachlehrer von vier Kontinenten zur Weiterbildung in Chemnitz

VDMA

Vierwöchiges Training für Fachlehrerinnen und Fachlehrer aus Asien, Afrika, Osteuropa und Südamerika

Praxisnahe Fortbildung am Ausbildungszentrum Polygraphie (AZP) Chemnitz transferiert drucktechnisches Knowhow in alle Welt

Sie sind zwischen 26 und 46 Jahre alt. Sie sprechen 13 verschiedene Sprachen und sind aus allen Himmelsrichtungen nach Chemnitz gekommen. Genauer: Aus Ägypten, Uganda, Brasilien, Kolumbien, aus Sri Lanka, Vietnam, Thailand und Indien sowie aus Serbien, Russland, Lettland, der Ukraine und Usbekistan. Doch bei allen Unterschieden gibt es etwas, das alle Teilnehmer des aktuellen Fachlehrerkurses am Ausbildungszentrum für Polygraphie (AZP) in Chemnitz eint. Es ist ihre Begeisterung für moderne Druckprozesse und -technologien, die sie in ihren Heimatländern an Studierende und Auszubildende aus den Bereichen Druck- und Medientechnik weitergeben.

Der Fachlehrerkurs gehört zu den Initiativen der PrintPromotion GmbH. Als Non-Profit-Zusammenschluss des deutschen Druck- und Papiermaschinenbaus betreibt diese, was ihr Name verspricht: Promotion für den Druck und moderne Druckereitechnologien. Stetig baut PrintPromotion dafür ein globales Expertennetzwerk auf. Die Fachlehrerschulungen sind ein Baustein in dieser Strategie. Im aktuellen Kurs lernen sechs Fachlehrerinnen und sieben Fachlehrer an modernen Maschinen und neuester Software, wie digital vernetzte Druckereiprozesse die Workflows ihrer Branche verändern. Dazu gehören weiterführende Trainings an Prepress-Software wie InDesign, Illustrator oder Photoshop, Schulungen zum Qualitäts- und Farbmanagement im Drucksaal oder die Beschäftigung mit verbindlichen Standards als Voraussetzung für bruchlose Prozessketten über alle Druckstufen hinweg. Bei Exkursionen zu Druck- und Papiermaschinenbauern können sie zudem tiefe Einblicke in die Entstehung moderner Druckertechnik nehmen.

Fachlehrer als Multiplikatoren einer neuen Prozesswelt
Gerade diese Exkursionen bezeichnet Chamal Tharanga Hettiarachchi, der am Sri Lanka Institute of Printing in Colombo lehrt, als bisheriges Highlight. „Firmenbesuche sind in Sri Lanka schwierig zu organisieren“, erklärt der 27-Jährige. Sein Institut bietet in Kooperation mit der Universität Colombo unter anderem einen MBA-Kurs für Visuelle Kommunikation und Drucktechnologie an. Er selbst hat seinen Schwerpunkt im Prepress-Bereich, in dem er studierende und gestandene Drucktechniker aus- und fortbildet. Trotz dieser Vorbildung habe er im bisherigen Kursverlauf schon viel Neues gelernt – gerade im Farbmanagement und der Computer to Plate (CTP)-Technik. „Es ist sehr hilfreich, dass Theorie und Praxis so stark ineinandergreifen“, sagt er. Durch die praktische Anwendung werde das theoretisch Erlernte greifbar.

Auch Luz Alsivia Romero Gutiérrez, 45, die am Servicio Nacional de Aprendizaje (SENA) im kolumbianischen Bogota lehrt, lobt die fachliche Dichte der Schulung. Obwohl diese ihr eine Menge Arbeit beschert: „Es ist viel Stoff zusammengekommen, den ich im Nachgang sowohl für meine Kollegen als auch für meine Studenten aufbereiten und dabei auch ins Spanische übertragen werde“, berichtet die Spezialistin für Qualitätswesen in graphischen Prozessen. Wobei sich die Chemieingenieurin an ihrem Institut sowohl mit Offset-, Flexo- und Siebdruck als auch mit digitalen Druckverfahren und dem Prepress-Bereich befasst – und Studierende in all diesen Bereichen ausbildet. SENA betreibt in ganz Kolumbien 115 Qualifikationszentren, die eng vernetzt arbeiten und Knowhow austauschen. Und so wird die Ingenieurin das in Chemnitz neu erworbene Wissen an die Kollegen in drei weiteren Regionalzentren weitergeben, die auf Aus- und Weiterbildungstudiengänge für die graphische Industrie fokussiert sind.

Ziel: Steigendes Qualitätsbewusstsein im Druckprozess
Es ist diese Multiplikatoren-Rolle, die die Fachlehrerkurse für beide Seiten so interessant macht. Die Fachlehrer können im Training frisches Knowhow praxisnah erwerben und den Blick auf Technologien richten, die in ihrer Heimat noch nicht oder nur in einigen wenigen Großdruckereien angekommen sind. Sie kommen also in Berührung mit Zukunftstechnik, die sie in ihrem Unterricht fortan zum Thema machen können. Und gerade im Bereich der Prepress-Software können sie ihr Knowhow direkt an ihre Auszubildenden und Studenten weitergeben. Um die hochwertigen Erzeugnisse einer modernen Vorstufe dann auch in hochwertige Druckprodukte umzusetzen, braucht es früher oder später Maschinen und Anlagen, die höchste Qualitätsansprüche erfüllen. „Wir sehen unsere Fachlehrerkurse als Beitrag zu einem steigenden Qualitätsbewusstsein in der globalen Druckindustrie – und damit letztlich auch als Exportförderung für deutsche Druck- und Papiertechnik“, erklärt Dr. Markus Heering, Geschäftsführer der PrintPromtion GmbH.

Im Gespräch räumen mehrere Teilnehmer des aktuellen Fachlehrerkurses ein, dass sie in ihren Instituten nur auf veraltete Technik zugreifen können. Dennoch gebe es vor allem aus der Verpackungsindustrie Nachfragen nach hochwertigen Drucken und Mitarbeitern, die diese mit modernen Medien- und Drucktechnologien umsetzen können. Auch sind die Fachlehrer teils gefragte Berater. So etwa Isaac Neuwelt, der seit vier Jahren am Vision for Africa Christian College in Kampala, Uganda, angehende Drucker unterrichtet. Vor einem Jahr hat er zudem ein eigenes kleines Beratungsunternehmen gegründet. Er berät damit Unternehmen und Regierungsdruckereien, wenn diese in neue Drucktechnik investieren wollen. Auch Trainings und Workshops für Mitarbeiter bietet Neuwelt an. Und dafür ist ihm frisches Wissen, das er weitergeben kann, natürlich sehr willkommen. Und auch die Einblicke in vernetzte Druckprozesse, die er aktuell erhält, findet er wichtig. „Zwar sind wir in Uganda noch nicht auf diesem technischen Niveau und der Automatisierungsdruck ist angesichts niedriger Lohnkosten gering“, so der 26-Jährige, „doch ich finde es mit Blick auf die Zukunft wichtig, neue Prozesse und ihr Potential kennenzulernen“.

Neugier auf Print 4.0
Jaqueline Paz Bonoto, die im Brasilianischen Porto Allegre angehende Drucker ausbildet, ist ebenfalls brennend an digitalen Druckverfahren und vor allem an der Digitalisierung der Workflows in der graphischen Industrie interessiert. Gerade von den Exkursionen zu den Druckmaschinenbauern und zum Webprinter „Flyer-Alarm“ erhofft sie, darüber mehr zu erfahren. In den Trainings im Bereich Prepress, Qualitäts- und Farbmanagement habe sie zwar schon viel gelernt, doch sie will mehr: Den Blick über den Alltag hinaus und die Möglichkeit, sich gemeinsam mit Kollegen aus aller Welt über die neuen Technologien und ihren Einfluss auf die Branche auszutauschen. „Auch in Brasilien sehen wir, dass die neuen, stark vernetzten Druckereien mit Online-Geschäftsmodellen sehr viel schneller wachsen, als der Markt“, sagt sie. Diese seien günstig, schnell und flexibel. Als selbst erst 28-jährige Ausbilderin sieht die Brasilianerin ihre Aufgabe darin, angehende Drucker auf die neuen Geschäftsmodelle und deren technische Umsetzung vorzubereiten. Dabei sieht sie auch in Zukunft ein Nebeneinander digitaler und analoger Druckverfahren. „Daher ist es wichtig, beide Welten zu kennen, um flexibel agieren zu können“, sagt sie.

Einig sind sich alle teilnehmenden Fachlehrer – ob aus Ägypten, der Ukraine oder Usbekistan – dass ihre Schüler, Studenten und Auszubildenden auch in Zukunft auf Papier, Pappe und anderen Substraten drucken werden. Einerseits gebe es in ihren Ländern einen steigenden Bedarf an Verpackungen. Andererseits würden auch junge Menschen zunehmend erkennen, dass Smartphones, Tablets und Computer nicht dieselben Funktionen und Bedürfnisse erfüllen, wie gedruckte Medien und andere Druckerzeugnisse. Botschafter des Drucks sind sie also ohnehin schon. Am AZP bilden sie sich nun auch zu Botschaftern moderner Druck- und Papiertechnik weiter.

Kontakt
Uta Leinburg
Fachverband Druck- und Papiertechnik
Tel.: +49(0)69 6603 1455
uta.leinburg@vdma.org

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