Vier Wochen. Elf Fachlehrer. Ein Ziel: Knowhow-Transfer

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PrintPromotion GmbH richtet praxisnahes Training für Druck-Fachlehrer am Ausbildungszentrum Polygraphie (AZP) Chemnitz aus - Fachlehrerinnen und Fachlehrer von vier Kontinenten absolvieren vierwöchige Weiterbildung zu modernen, qualitätsgesicherten Druckprozessen

In ihrem Heimatland Malaysia bildet Intan Natasha Abdul Azim Studierende der Universiti Teknologi MARA (UiTM) aus. Doch gerade hat die 33-jährige Dozentin für Drucktechnik ihr Lehrerpult gegen eine Schulbank eingetauscht. Statt morgens zur Faculty of Art & Design in Bandar Puncak Alam nahe Kuala Lumpur zu fahren, führt ihr Weg zum Ausbildungszentrum für Polygraphie (AZP) Chemnitz.

Mit zehn Kolleginnen und Kollegen aus aller Welt nimmt Abdul Azim am diesjährigen Fachlehrerkurs der PrintPromotion GmbH teil. Vier Wochen lang vertiefen sie mit Unterstützung der AZP-Trainer ihr Wissen über Druckereiprozesse: Vom Datenhandling und Farbmanagement in der Vorstufe über die unterschiedlichen Verfahren im Drucksaal bis hin zu den Möglichkeiten der Weiterverarbeitung und Veredelung. Das erworbene theoretische Wissen setzen sie in Trainings umgehend praktisch um. So lernen die Teilnehmer Schritt für Schritt die Abläufe qualitätsgesicherter, weitgehend standardisierter Print-Workflows kennen.

Auf dem Programm stehen außerdem Exkursionen zu Druckmaschinenbauern und Druckdienstleistern. Dort bekommen die elf Fachlehrerinnen und Fachlehrer tiefe Einblicke in die Möglichkeiten und in die konkrete Umsetzung vernetzter, vollautomatisierter Prozessketten. Und sie erleben den industriellen Einsatz von moderner Druck- und Papierverarbeitungstechnik.

Lebendiger Knowhow-Transfer

„Ich möchte möglichst viel Wissen aus dem Kurs mitnehmen und es daheim direkt an meine Studenten weitergeben“, sagt Abdul Azim. Damit bringt sie das Ziel des Kurses auf den Punkt. Die PrintPromotion GmbH bildet regelmäßig Fachlehrer fort, damit sie ihr frisch erworbenes Knowhow mit Studierenden, Auszubildenden und Kollegen in ihren Heimatländern teilen. „Wenn die Fachlehrer aus unseren Kursen ein gesteigertes Bewusstsein für Qualität und für den Sinn von Standardisierung in Druckereiprozessen mitnehmen, dann ist das nachhaltige Promotion für moderne Drucktechnik“, sagt Dr. Markus Heering, Geschäftsführer der PrintPromotion GmbH. Als Non-Profit-Organisation des deutschen Druck- und Papiermaschinenbaus setzte man daher konsequent auf Qualifizierung und den Aufbau eines globalen Netzwerks von Experten, die mit den Vorteilen hochqualitativer Druckprozesse vertraut sind.

Für Abdul Azim ist auch ein anderer Aspekt wichtig: Die Beschäftigung mit theoretischen Themen wie Qualitätssicherung und Standardisierung werde nicht nur durch die praktischen Übungen interessant, sondern auch durch den Austausch mit den Teilnehmern aus Asien, Südamerika, Afrika und Europa – denn jeder bringe unterschiedliche Perspektiven und technologische Hintergründe ein. Der lebendige Erfahrungsaustausch und die kosmopolitische Atmosphäre in der Gruppe machten das Lernen leicht.

Auch Spezialisten erweitern ihr Wissensspektrum

Das erlebt Christos Trochoutsos ähnlich: „Dank der engen Betreuung und der kleinen Gruppe hat sich sofort ein freundschaftliches, sehr konstruktives Arbeitsklima eingestellt“, berichtet der 34-jährige IT- und Druck-Spezialist aus Athen. Dort arbeitet er hauptberuflich als IT-Manager bei einem führenden Druckdienstleister. Nebenher schreibt er eine Doktorarbeit über den Digitaldruck. Seit vielen Jahren bewegt sich Trochoutsos an der Schnittstelle zwischen Informatik und Graphikdesign/Multimedia; er hat Studiengänge in beiden Disziplinen abgeschlossen und als Redner bei diversen Fachkongressen mitgewirkt. Dennoch, trotz seiner umfassenden Vorbildung, lernt er in Chemnitz dazu. „In den ersten beiden Wochen habe ich mein Wissen über Druckverfahren erweitert. Interessant war vor allem der Tiefdruck“, sagt er. Sehr hilfreich sei zudem die intensive Beschäftigung mit der Qualitätssicherung im Colormanagement. „Damit haben Druckereien aller Größen ihre Probleme“, sagt er. Darum werde er das Knowhow sowohl an seinem Arbeitsplatz als auch mit seinem Bruder teilen, der ebenfalls in einer Druckerei arbeitet.

Ohnehin möchte Trochoutsos das neu erworbene Wissen weitergeben. Möglichkeiten dazu bietet sein Engagement in der Hellenic Union of Graphic Arts and Media Technology Engineers (HELGRAMED). Diese organisiert regelmäßig Fachkongresse und kooperiert mit dem Institut für Drucktechnologien an der Hochschule für angewandte Wissenschaften Athen. Perspektivisch kann sich der Experte zudem einen Wechsel in die Forschung und Lehre vorstellen.

Diesen Schritt hat André Aguiar bereits getan. Der 38-Jährige arbeitet als Fachlehrer für den Bereich Druckvorstufe, Weiterverarbeitung und Multimedia im Drucktechnischen Institut des National Service of Industrial Training (SENAI) in Rio de Janeiro. SENAI ist eine der wichtigsten Ausbildungsorganisation Südamerikas. Seit ihrer Gründung im Jahr 1942 haben landesweit über 55 Millionen Menschen ihre Ausbildungsprogramme durchlaufen.

Großes Interesse an Print 4.0

Aguiar unterrichtet teils jugendliche Auszubildende, teils gestandene Mitarbeiter von Betrieben, die Weiterbildungsprogramme am Institut buchen und als dritte Gruppe Berufstätige und Einsteiger, die sich auf eigene Faust fortbilden. Durch die Praxis als Fachlehrer ist auch er schon ein ausgewiesener Spezialist. „Dennoch lerne ich von den AZP-Trainern, bei Vorträgen externer Spezialisten und im Zuge der Exkursionen Vieles, was ich künftig in meine Kurse einbauen werde“, sagt er. Wie seine Kollegen findet auch er den Austausch in der Gruppe wertvoll, zumal die elf Ausbilder ihrer Arbeit unter ganz unterschiedlichen Voraussetzungen nachgehen.

„Wir bekommen durch PrintPromotion Einblicke, die mich in meiner Arbeit weiterbringen und dazu anregen, über den Tellerrand hinauszublicken“, erklärt der Brasilianer. Das betreffe einerseits die Fragen der Standardisierung, andererseits aber auch die immer realer werdende Vision vollvernetzter Print 4.0 Prozessketten. Internet-of-Things (IoT) und Industrie 4.0 seien in Basilien große Themen, die in der Forschung und Ausbildung immer mehr Raum einnehmen. Darum hört Aguiar genau hin, wenn es im Kurs und bei den Exkursionen darum geht. Denn er möchte dieses Wissen umgehend an seine Auszubildenden weitergeben. Denn deren berufliche Zukunft werde ganz sicher von 4.0-Technologien geprägt sein.